Showing posts with label orientalische Küche. Show all posts
Showing posts with label orientalische Küche. Show all posts

Tuesday, June 9, 2026

Shawarma – Ein Essen für Superhelden

 Nach einer erfolgreichen (und überlebten) Schlacht versammeln sich die Helden gerne zu einer besonderen Mahlzeit - das "Festmahl" schafft ein Gefühl von Gemeinsamkeit und die Bestätigung, etwas Besonderes geleistet zu haben. Für die Marvel Superhelden des Films The Avengers (2012) gibt es nur ein passendes Festmahl nach der Schlacht: Shawarma.

In der legendären Post-Credits-Szene von Marvel's The Avengers äußert Iron Man / Tony Stark, dass er nach der Schlacht um New York unbedingt Shawarma essen wolle. Er wisse zwar nicht genau, was das ist, wollte es aber unbedingt testen. Was verbirgt sich also hinter diesem legendären Streetfood?



Shawarma und seine Verwandten: Iskander Kebab, Döner und Gyros

Shawarma ist im Nahen Osten ein äußerst populäres Gericht. Es besteht aus dünn geschnittenen Lagen verschiedener Fleischsorten, die auf einem rotierenden, vertikalen Drehspieß, dem so genannten Rotisserie-Spieß, langsam gegart werden. Durch die Drehung des Spießes gart das Fleisch gleichmäßig. Das austretende Fett sorgt für eine Bräunung des Fleisches und eine leckere "Kruste". Das Fleisch wird dann frisch vom großen Spieß heruntergeschnitten. Das erfolgt heutzutage mit speziellen elektrischen Geräten, unter anderem mit dem nach Stefan Raab genannten "Der Gerät").

Bei der Beschreibung der Zubereitung sollte klar sein, dass das Shawarma "Verwandte" in den türkischen Gerichten Iskander Kebap und Döner Kebap sowie im griechischen Gyros hat.

Bereits im 19. Jahrhundert soll im türkischen Bursa der türkische Koch Iskander in seinem Restaurant ein Gericht erfunden haben, bei dem er einen Teil des Hammelfleischs zu Hackfleisch verarbeitete und es zwischen weichgeklopften Fleischscheiben schichtete. Er servierte das gegrillte Fleisch mit Joghurt und  zerlassener Butter im Fladenbrot. Das Gericht wurde berühmt als Iskender Kebap.

Das Wort Shawarma, das im Nahen und Mittleren Osten für den Drehspieß verwendet wird, ist ein Lehnwort vom türkischen çevirme, das drehen bedeutet.

Wie wird Sharwarma serviert?

In arabischen Ländern, wie Libanon und Jordanien, ist Shawarma nahezu DAS Nationalgericht. Es wird bevorzugt mit  Lamm, Rind oder einer Kombination aus beidem zubereitet. Auch Geflügelfleisch wie Huhn oder Truthahn sowie Ziegen- oder Kamelfleisch finden Verwendung. Die verwendeten Gewürze ermöglichen vielfältige Variationen des Shawarma. Typische Gewürze sind Koriander, Kurkuma, schwarzer Pfeffer, Kreuzkümmel, Sumach und weitere aromatische Zutaten, die das Gericht besonders schmackhaft machen. Das griechische Gyros, das zumeist aus Schweinefleisch besteht, wird mit mehr Kräutern statt mit getrockneten Gewürzen verfeinert.

Serviert wird Shawarma in Form eines Pita-Sandwiches, das mit dem frisch geschnittenen Fleisch gefüllt wird. Dazu gehören häufig Hummus und Tahini. Eine Joghurtsoße, wie beispielsweise Tsatsiki (oder: Zaziki), wird zum Shawarma nicht gereicht. Zum Shawarma sind Pommes frites eine beliebte Beilage. Die Pommes werden entweder separat oder direkt im Pita zusammen mit dem Fleisch serviert.

Shawarma-Erfahrungen


Bei einem meiner Ägypten-Aufenthalte Anfang oder Mitte der 1990er Jahre wollten wir in Kairo in einer größeren Gruppe Shawarma essen gehen. Einer unserer ägyptischen Begleiter fragte uns, ob wir denn auch Kamel-Fleisch essen würden. Die meisten von uns verneinten, und so blieb es dann beim Lamm-Shawarma, später auch mal beim Geflügel-Shawarma. Ich gebe zu, dass ich mich nicht ans Kamelfleisch getraut habe – und das bis heute nicht. Wer also auf Kamel verzichten möchte, sollte vor dem Bestellen nachfragen, mit welchem Fleisch das Shawarma gemacht wurde. Wer die Erfahrung machen möchte, findet in Dubai oder in Pakistan laut Internet etliche Restaurants, die diese Variante des Shawarma anbieten.




Ob als Streetfood des Nahen Ostens oder als Symbol in einem Hollywood-Blockbuster: Shawarma ist gefragt.Und so sitzen sie am Ende der berühmten Post-Credit Szene von Marvel's The Avengers zu sechst im fiktiven New Yorker Restaurant Shawarma Palace und lassen sich die Spezialität schmecken: Captain America / Steve Rogers, Thor, Iron Man/ Tony Stark, Hulk / Bruce Banner, Hawkeye / Clint Barton und Black Widow / Natasha Romanoff. Wobei Captain America sich auffällig zurückhält ... doch das ist eine andere Geschichte.

Was ich über Miss Marvel als muslimische Superheldin geschrieben habe, findet Ihr HIER.


Das Shawarma-Bild ist von Vera Yu and David Li, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

Thursday, August 11, 2016

Bollywood und KEBAB: Daawat-e Ishq


KEBABS spielen sogar in den Filmen Bollywoods, der indischen Filmindustrie Mumbais, genannt Bollyood, eine Rolle. Das gilt zumindest für den Film Daawat-e Ishq (Hindi und Urdu für  "Einladung zur Liebe/Leidenschaft") aus dem Jahr 2014. Kebabs haben zwar in diesem Film nur eine Nebenrolle, sie ist aber dennoch wichtig.

Dawaat-e Ishq - Worum geht es im Film?

Auf dem Filmplakat sieht Bollywood-Film Daawat-e Ishq auf den ersten Blick nach einem kitschigen Liebesfilm aus, doch der Film hat es in sich. Worum geht es? 

Im Film geht es um Gulrez "Gullu" Qadir (Parineeti Chopra), die mit ihrem Vater Abdul (Anupam Kher) in Hyderabad lebt. Gullu arbeitet als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft in einem Einkaufszentrum, träumt aber von

einer Zukunft im fernen Amerika - außerdem sucht sie immer noch nach einem Ehemann. Gullu hat exzellente Schulnoten und ist sehr hübsch – dennoch verhindern die hohen Mitgift-Forderungen der Familien von der Bewerber eine Hochzeit.

Gullu verliebt sich schließlich in Amjad, doch als die beiden beschließen zu heiraten, verlangt Amjads Familie erneut eine hohe Mitgift. Die Eheschließung scheitert. Gullu ist frustriert, deprimiert und fasst deshalb einen nicht ganz legalen Plan, um an das Geld für die Auswanderung in die USA zu kommen: Ihr Vater und sie planen unter einer gefälschten Identität, potentielle Ehemänner samt Familien zu einer „Vorstellungsrunde“ einzuladen und heimlich zu filmen. Falls die Familien eine hohe Mitgift fordert, wollen Gullu und ihr Vater sie nach Paragraph PC498A, dem „Dowry Act“ (Englisch: Mitgift Gesetz) verklagen. Dann wollen sie einen hohen Schadensersatz fordern und endlich in die USA auswandern.

Der Plan scheint aufzugehen- bis Gullu sich in Tariq "Taru" Haider (Aditya Roy Kapur) verliebt - und er sich in sie. Tariq ist Inhaber eines Kebab-Restaurants. "Big Boss Haidari Kebab“ ist eines der erfolgreichsten Kebab Restaurants Lucknows. Mit seiner Koch- bzw. Grill-Kunst versucht Taru, Gullus Gunst zu gewinnen – es wird ja wahrscheinlich niemanden überraschen, dass es nach turbulenten Aktionen zu einem Happy End kommt.

Das Mitgift-System in Indien im Film Daawat-e Ishq

Das Mitgift-System in Indien ist eine tief verwurzelte traditionelle Praxis. Dabei übergibt die Familie der Braut finanzielle oder materielle Güter an die Familie des Bräutigams. Obwohl inzwischen durch den „Dowry Act“ in Indien gesetzlich verboten, bleibt der Brauch der Mitgift in vielen Regionen, besonders in der Mittel- und Oberschicht, weiterhin präsent. Das führt oft zu erheblichen finanziellen Belastungen und sozialem Druck bei den Familien, die gleich mehrere Töchter haben. Viele Familien verschulden sich, um der Familie des Bräutigams komplette Wohnungseinrichtungen, Autos oder iPhones zu übergeben.

Von Nicht-Regierungs-Organisationen oder Aktivistinnen wird beklagt, dass es vorkommt, dass die Familien des Bräutigams auch nach der Eheschließung Nachforderungen von Mitgiftzahlungen stellen – und es sogar deswegen zu häuslicher Gewalt und Mitgiftmorden kommt. Obwohl derartig negative Konsequenzen der Praxis des Mitgiftsystems nicht angesprochen werden, thematisiert Daawat-e Ishq die Probleme junger Frauen, einen passenden Ehemann zu finden.


Kebabs und Biryanis: Kulinarisches in Daawat-e Ishq

In der indischen Filmindustrie werden oft muslimische Herrscher gezeigt, wie zum Beispiel im Filmklassiker Mughal-e-Azam (1960) oder der Serie Jodha Akbar,.

Der Film Dawaat-e Ishq zeigt viele Aspekte des Lebens der muslimischen Mittelschicht Indiens anhand der beiden Städte Lucknow und Hyderabad. Beide Städte waren vor der britischen Kolonialzeit muslimische Fürstenstaaten. Sowohl in Lucknow als auch in Hyderabad waren muslimische Literatur sowie beispielsweise Medizin- und Essenstraditionen weit verbreitet. Für Lucknow sind Kebabs ein Symbol der Esskultur, für Hyderabad sind es die Biryanis. Bei dem traditionellen Reisgericht Biryani wird der Reis vor dem Garen angebraten. Biryanis gibt es als vegetarische Variante, als Fisch-Biryani, Biryani mit Lamm oder Hühnchen und so weiter…

Lucknow gilt als eines DER Zentren der muslimischen (Ess-)Kultur und der Kebab-Vielfalt. Natürlich gibt es inzwischen auch vegetarische und vegane (Gemüse-)Kebabs – doch generell stehen Kebabs wie kaum ein anderes Gericht für die (muslimische) Tradition des Fleischgenusses. So wird in den Medien für gewöhnlich der Genuss von Fleisch und Kebabs als wichtiges Element der indischen Kultur beschrieben. Vegetarismus wird, vor allem in westlichen Medien, immer nur den Hindus zugeschrieben, doch in Indien leben knapp 40% der Bevölkerung vegetarisch und etwa 10% vegan.

Ironischerweise gesteht der Kebab-Macher Amjad Gullu, dass er Vegetarier sei. Sie entgegnet daraufhin, dass sie die "typische Nicht-Vegetarierin" (Englisch: "I am the typical NON") sei, die Biryanis, Kebabs und andere Fleischgerichte liebt. Amjad entgegnet, "dass in Amerika alle Vegetarier werden." Gullu ist davon nicht überzeugt. Somit kann Tariq mit seinen Kebab-Künsten ihr Herz gewinnen. Bis zum Happy End geht es aber natürlich turbulent zu!

In Indien hat der Film über das Zusammentreffen der zwei kulinarischen Traditionsgerichte Kebab und Biryani viel Aufmerksamkeit erregt. 2016 wurde in Hyderabad erstmals ein Festival unter dem Titel Daawat-e Ishq in Hyderabad gefeiert! Seit dieser Zeit finden in und außerhalb Indiens viele "Kebab und Biryani Festivals" statt, viele von ihnen in Restaurants und Hotels. Also viel Freude am Film, an Kebabs und an Biryanis!





Wednesday, August 3, 2016

Dieser Blog 


ist für alle, die Kebabs, Kofta und andere orientalische Spezialitäten vom Grill lieben! Als Islamwissenschaftlerin habe ich in den vergangenen Jahren viele orientalische Länder des bereist und die verschiedenen einheimischen Koch- und Grilltraditionen kennen gelernt: ich war in der Türkei, in Marokko, in Syrien und Ägypten. In den letzten zwei Jahrzehnten war ich etwa fünfzehn Mal Indien, vor allem die islamisch geprägten Städte und Regionen wie Delhi, Bhopal, Lucknow, Hyderabad und Kaschmir, wo gegrillte Fleischspezialitäten zur orientalischen und vor allem zur muslimischen Kultur Indiens gehören. 2017 werde ich hoffentlich den Iran bereisen und die dortigen Köstlichkeiten genießen.

 KOFTA und KEBABS - Grillen orientalisch


  In orientalischen Bazaren duftet es oft herrlich nach Spezialitäten vom Grill, an vielen Straßenständen oder in kleinen Restaurants werden Kofta oder Kebab angeboten. Kebab / kebap (Türkisch, Persisch) bzw. kabâb (Arabisch) nannte man ursprünglich
marinierte (Kalb-)Fleischstücke, die auf Spießen gegrillt wurden. Heutzutage gibt es in der türkischen, arabischen und persischen Küche zahlreiche Variationen von gegrillten Fleischstücken, die in Würfel geschnitten und mariniert werden. Tschelo Kebâb ist das Nationalgericht des Iran und besteht aus Reis mit Lammkebâb. Dafür wird gewürfeltes Lammfleisch in Öl, Gewürzen und Zitronensaft mariniert, auf Metallspieße gesteckt und auf den Grill getan. Natürlich ist die in Deutschland bekannteste Variante der Diner Kebap. Im Unterschied zu kebâbs besteht kofta (Türkisch: köfte) zumeist aus Hackfleisch. Je nach Region sind kofta aus Lamm- oder Rindfleisch, manchmal auch aus Schweinefleisch. In Indien gibt es auch vegetarische koftas aus paneer, einer Art Frischkäse. Wie man sieht, gibt es so viele unterschiedliche Arten - ich werde hier die Vielfalt des orientalischen Grillens vorstellen. Und es wird einiges zur Geschichte des orietalischen Grillens geben! Rezepte dürfen nicht fehlen! Viel Spaß!